Der Mensch im Mittelpunkt: oder wie neu ist NEW WORK eigentlich?

Was ist dran am New Work Trend? Arbeiten jetzt alle vom Strand aus, oder was? Was soll der Hype? Lasst mir meinen Strand bitte für den Urlaub!

Wo kommt der Begriff überhaupt her? Dass das Prinzip „New Work“ eigentlich schon Ende der 70er/ Anfang der 80ern geprägt wurde, wissen viele außerhalb der Bubble gar nicht.
In diesem Blogbeitrag gebe ich einen kurzen Abriss, was Frithjof Bergmann meinte mit: der Mensch im Mittelpunkt. Am Ende zeige ich dir noch eine schöne Coaching-Übung, mit der du dich selbst in den Mittelpunkt nehmen kannst.

Die gängigsten Schubladen

"New Work: Wir arbeiten jetzt alle aus dem Home Office, treffen uns in virtuellen Meetingräumen und sonst ist alles wie immer."

oder

"New Work: wir arbeiten nur noch remote, vom Strand auf Bali oder auf den Canaren und das max. 5h am Tag. Das ist doch was für Träumer, die im Leben noch nicht wirklich gearbeitet haben!"

Das sind wohl die gängigsten Schubladen, die bei einigen aufgehen, wenn Leute von „New Work“ sprechen. Na, welche der beiden Schubladen kommt dir bekannt vor?

Sind wir zu intolerant und sollen jetzt alle vom Strand arbeiten geil finden?
Spoiler: Nein!
Aber was steckt dahinter? Was ist denn diese Neue Arbeit?

Die Grenzen von Arbeit und Privatleben verschwimmen immer mehr

Ja, natürlich gibt es diese Beispiele und Berufsgruppen, in denen sich das Reisen mit dem digitalen Arbeiten gut kombinieren lässt. Zusätzlich sind wir immer häufiger 24/7 erreichbar und das über mehrere Kanäle. In manchen Branchen scheint es auch zum guten Ton zu gehören und wenn wir mit uns mal ehrlich sind, dann fühlen wir uns machmal auch einfach gern gebraucht.

Entgrenzungserscheinungen der Arbeit nennt Markus Väth – Psychologie, Autor und Speaker – dieses Phänomen. Die Arbeit ist zum Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens geworden. Wir definieren uns gesellschaftlich sehr über unsere Arbeit. Dies hat Auswirkungen auf uns und auf unser Wohlergehen.

Um Himmels Willen! Was ist denn dann das Ziel von New Work, bitte?

Ich bin zwar der Überzeugung, dass Berufliches und Privates immer mehr verschmelzen darf, aber damit meine ich nicht rund um die Uhr Erreichbarkeit und Arbeiten am Strand. Ich meine damit, dass ich auch mal gerne Mails vom Bett aus mache, wenn ich mich mal nicht ganz so aufm Damm fühle. Ich bin ja nicht immer gleich gut drauf! Und kann gleich gut „performen“.
Was ich damit meine, ist, dass ich keine Rolle spielen will bei der Arbeit, sondern ich ICH sein kann, authentisch und nach meinen Werten agieren kann, mit Gefühlen und menschlichen Bedürfnissen. Also meine Persönlichkeit nicht an der Eingangstür abgegeben werden muss, damit ich da funktionieren kann.

Mir geht es nicht darum, weniger zu arbeiten, sondern sinnvoller und zu mir passender. Menschlicher.

Und darin liegt auch der Kern von NEW WORK.

"Das Ziel der Neuen Arbeit besteht nicht darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien. Sondern die Arbeit so zu transformieren, damit sie freie, selbstbestimmte, menschliche Wesen hervorbringt.“

Frithjof Bergmann

Frithjof Bergmann

Bereits Ende der 70er/ Anfang der 80er prägte Frithjof Bergmann (1930 – 2021) den Begriff. Der in Sachsen Geborene, ist in Österreich aufgewachsen und mit 19 in die USA ausgewandert. Einen spannenden Lebensweg führte ihn als Philosophieprofessor an verschiedene Universitäten in den Staaten. Sein liebstes Thema war die Freiheit. Später die Arbeit.

Unzählige Befragungen und Gespräche mit Menschen ließen ihn zu dem Schluss kommen, dass nichts im Leben unfreier mache, als die Arbeit. Unser Job sei wie eine milde Erkältung.

In seinem Buch: „Neue Arbeit – Neue Kultur“ von 2004 findet sich auf Seite 96 das beliebte Zitat:

"Sie [die Arbeit] ist keine bedrohliche Krise, nichts Ernstes wie Krebs oder Hepatitis [...], sondern wie eine leichte Erkältung. Und die ist in zwei Tagen vorbei, genauso wie am Mittwoch die Arbeitswoche in zwei Tagen vorüber ist. Unser Job ist also wie eine Erkältung. Man hat gelernt, dass das Leben nicht immer angenehm ist, und man wird es durchstehen. Es lässt sich nichts daran ändern, man kann nur stillhalten, bis man auf der anderen Seite angekommen ist."

Frithjof Bergmann

Seit den 80ern beriet er Unternehmen, Gewerkschaften, Regierungen, Kommunen, Obdachlose, Jugendliche zum Thema Zukunft der Arbeit und was sie „wirklich, wirklich wollen“. Der kurze Wrap Up zu seinem Leben auf Wikipedia ist ganz spannend.

Zentrum für neue Arbeit

Das Projekt „Zentrum für neue Arbeit“ fand in Kooperation mit General Motors in Flint (USA) statt, die Ende der 70er aufgrund von Automatisierung vor einer massiven Welle von Stellenabbau standen. Anfangs als Alternative gedacht, damit die Menschen nicht in Kurzarbeit mussten, wurden die Beschäftigten für 6 Monate von ihrer Arbeit freigestellt.
Zum ersten Mal in ihrem Leben, erhielten Menschen, die ihr Leben lang angepasst funktionierten, Fragen gestellt. Fragen darüber, was sie eigentlich wirklich wollen. Welche Arbeit sie eigentlich tief im Innersten wirklich und wahrhaftig leisten wollten. Es kamen allerhand Talente zum Vorschein, die im alltäglichen Fließband-Dienst nicht zum Einsatz kamen.
Nicht selten gab es in diesen Gesprächen Tränen, denn das hatte in ihrem Leben vorher noch nie jemand hören wollen – nicht in der Schule, der Kirche, der Ehe oder der Firma.

Die Armut der Begierde

Diese Fähigkeit zuzuhören, ist nicht nur im Miteinander relevant, sondern auch mit uns selbst. Ehrlich mit uns selbst zu sein, was es ist, was wir wirklich wollen – von innen heraus. Nicht das, was „man so macht“: ein Haus, ein Auto, ein Hund, eine Ehe, zwei Kinder, zwei Mal im Jahr Urlaub usw.

Frithjof Bergmann prägte den Begriff: die Armut der Begierde. Denn erschreckenderweise können viele Menschen – auch heute – nicht benennen, was sie aus tiefstem Herzen wirklich wollen. Vielleicht weil sie ahnen, dass das ein schmerzhaftes Eingeständnis wäre, dass sie das, wofür sie sie all die Jahre geschuftet haben, eigentlich gar nicht wollen oder brauchen.

Meiner Meinung nach nicht verwunderlich, denn wir bekommen es ja schon in frühester Kindheit, in der Schule und anderen Sozialsystemen abtrainiert unserem Willen zu folgen, sondern lernen uns unterzuordnen und das zu machen, was jemand anderes von uns will.

Deine Sehnsucht nach dem Sinn ist wichtig!

Aktuell leben wir in einer krassen Zeit. Sehr viel verändert sich sehr schnell. Und mit der nahenden Klimakrise und dem allgemeinen Werte-Wandel, den auch die New Work Bewegung und die Gen Y und Z mit gestalten, trauen sich immer mehr Menschen sich ehrlich diese Fragen zu stellen.

Was möchte ich eigentlich? 


Was brauche ich? 


Wie wünsche ich mir mein Leben? 


Was will ich hinterlassen?

Und wenn du mal all das Tun pausierst und die Ruhe zulässt, einfach wahrnimmst, was in dir los ist. Das ist wichtig! Dann kannst du sie vielleicht auch hören. Die Stimme in dir, die Sehnsucht… oder gar den Ruf.

Deine innere Stimme ist sehr leise, aber sie ist da. Vertraue darauf! Dass, das, was dein Herz dir sagt, das einzig Richtige für dich ist!

Was wir brauchen für New Work

Home Office, neues Arbeiten und mehr Flexibilität sind super, aber wir brauchen dafür auch gewisse Skills. Selbstorganisation will gelernt sein und hängt sehr stark mit der inneren Entwicklung eines jeden Menschen zusammen. Dazu kann ich das Buch „New Work needs inner work“ vorn Joana Breidenbach und Bettina Rollow empfehlen.

Ein einfaches Beispiel: Gehst du aufs Klo, wenn du musst oder ziehst du die Aufgabe noch durch und gehst erst, wenn es allerhöchste Eisenbahn ist?

Kann ich Verantwortung für mich selbst übernehmen?

Kann ich meinen Körper spüren?

Wann brauche ich eine Pause?

Wie setze ich meine Grenzen?

Wir müssen die Fähigkeit wieder entwickeln überhaupt wahrzunehmen, was wir selbst brauchen. Und lernen unsere Bedürfnisse auch zu kommunizieren, damit wir unseren Bedürfnissen entsprechend auch handeln können.

Fang am besten gleich damit an: Nimm deine Bedürfnisse wahr

Mach eine Bestandsaufnahme. Dafür ist ein Self-Check-In mit der Übung zu den Bedürfnisgläsern, die ich in dem Magazin NeueNarrative entdeckt habe, ein wunderbarer Anfang.

Stell dir 5 Gläser vor, jedes steht für ein Bedürfnis. Befülle diese, je nachdem wie erfüllt sich dieses Bedürfnis für dich gerade anfühlt. Male es dir am besten auf einem Blatt Papier oder in dein Notizbuch auf.

Bsp.: wie erfüllt ist mein Bedürfnis nach Ruhe aktuell? Wie erfüllt mein Bedürfnis nach Abenteuer, nach Zweisamkeit, usw. Wähle Begriffe, die für dich gerade passend sind. Viel Freude dabei!

Brauchst du jemanden, der dir zuhört und Resonanz gibt? Oder Unterstützung bei einem Maßnahmenplan, wie du deine Bedürfnisse in Zukunft besser im Blick halten kannst? Buche dir deine Coaching-Stunde!

https://www.neuenarrative.de/

Wie du als Mama dich und deine Bedürfnisse im Einklang mit denen deiner Familie leben kannst, entwickelst du in meinem Gruppen Coaching Kurs: Mutterleicht im September in Dresden.

Du willst tiefer einsteigen in das Thema, was du eigentlich wirklich wirklich willst?

Alles Liebe, Sandra

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