Was machst du, wenn es deinen Traumjob nicht mehr gibt?
/in Berufliche Neuorientierung, Lebenswege, Persönliche Weiterentwicklung, Werte/von Sandra KleineManche Menschen wissen früh, wofür sie brennen. Sie studieren mit Überzeugung, starten in ihren Beruf – und dann bricht genau dieser Beruf weg. Nicht weil sie etwas falsch gemacht haben. Sondern weil Strukturen sich verändern, Fördermittel gestrichen werden, politische Entscheidungen Branchen auf den Kopf stellen.
Was dann?
Wenn der Traumjob kein Einzelschicksal ist
Viele Menschen im sozialen Bereich erleben das gerade hautnah. Bund, Länder und Kommunen kürzen dort, wo Unterstützung eigentlich unverzichtbar ist – in der Kinder- und Jugendhilfe, bei Menschen mit Behinderungen, in der sozialen Infrastruktur. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor einem drohenden Zusammenbruch ganzer Angebote.
Eine Coachee hat vor sechs Jahren ihren Job in der Wirtschaft aufgegeben, um nebenberuflich Soziale Arbeit zu studieren und parallel bereits sogar schon in dem Bereich gearbeitet. Ihre Begründung war so klar wie ehrlich: Mit Menschen zu arbeiten macht mir einfach viel mehr Freude als mit Excel am Bildschirm.
Genau diese Menschen stehen jetzt vor einer Situation, die sie sich so nicht vorgestellt haben.
Und sie sind damit nicht allein. Die Arbeitslosigkeit ist 2025 das dritte Jahr in Folge gestiegen – auf knapp drei Millionen Menschen, mit einer Quote von 6,3 Prozent. Seit Anfang 2025 haben Unternehmen in Deutschland den Abbau von über 177.000 Arbeitsplätzen angekündigt, quer durch alle Branchen.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Jahresrückblick 2025; INSM – Stellenabbau Deutschland 2025
Was passiert, wenn Strukturen wegbrechen
Gleichzeitig lässt sich etwas Interessantes beobachten: Die Gründungstätigkeit hat 2025 deutlich zugelegt. Rund 690.000 Menschen haben sich selbstständig gemacht, davon 70 Prozent im Nebenerwerb – ein bislang unerreichter Wert.
Quelle: KfW-Gründungsmonitor 2026
Zufall? Eher nicht. Wenn Strukturen wegbrechen, werden Menschen kreativ. Sie suchen nach Wegen, sich selbst etwas aufzubauen. Ob das aus echtem Mut entsteht oder schlicht aus der Not, das lässt sich nicht pauschal sagen. Wahrscheinlich beides.
Was sich aber sagen lässt: Es ist eine spannende, wenn auch herausfordernde Zeit, um die eigene Richtung neu zu denken.
Kein gerader Weg – und das ist in Ordnung so
Ich bin seit 2019 selbstständig. Ich habe damals nicht mit einem fertigen Plan angefangen. Eine Woche vor der Pandemie bin ich ins kalte Wasser gesprungen, sehr unwissend, und habe schwimmen gelernt. Manches hat funktioniert, anderes nicht.
2023 bin ich in ein Side-Projekt gestolpert, das sich nach und nach zu einer zentralen Größe entwickelt hat: ein Mentoringprogramm in Dresden für Mütter, die gründen. Etwas, das ich selbst am Anfang gerne gehabt hätte.
Heute habe ich keinen Jobtitel. Ich habe ein Job-Portfolio: Coaching, Mentoringprojekte, Arbeit rund um Lachen und Arbeitsklima. Verschiedene Themen, die sich gegenseitig tragen und die mit mir mitgewachsen sind.
Das hat mich etwas gelehrt, das ich auch in meiner Coaching-Arbeit immer wieder weitergebe:
Erstens: Es muss nicht der eine Traumjob sein. Wir sind viele und dürfen mehrere Dinge gleichzeitig machen.
Zweitens: Selbstständig sein bedeutet nicht, dass der Weg immer schön gerade nach oben verläuft. Er mäandert, nimmt Kringel und Schleifen. Das ist nicht das Zeichen, dass etwas schiefläuft. Das ist der Weg.
Wir brauchen echte Vorbilder – keine Heldenmythen
Der Solo-Entrepreneur-Heldenmythos, der viele Jahre lang erzählt wurde, stimmt einfach nicht. Er zeigt nur die Höhepunkte, nicht die Schleifen dazwischen.
Was wir stattdessen brauchen: echte Geschichten. Wege, die nicht geradlinig sind. Menschen, die gescheitert sind, Gegenwind erfahren haben und trotzdem weitergemacht haben, weil sie wussten, wofür sie stehen.
Genau das ist der Kern, den der Icons Podcast von Wolke Hegenbarth und Kristina Lunz so stark macht. Besonders die ersten beiden Folgen. Frauen, die verschiedene Dinge angefangen haben, gestolpert sind, aufgestanden sind und für ihre Werte eingestanden sind. Ist es nicht genau das, was Erfolgsgeschichten wirklich ausmacht?
Ein Gedanke daraus, der besonders nachhallt: Wer weiß, wofür er steht, findet auch in unruhigen Zeiten einen Weg. Wer aber nur nach dem richtigen Job sucht, steht verloren da, wenn dieser Job plötzlich nicht mehr existiert.
Werte als Kompass – nicht nur als schönes Konzept
Vielleicht hast du schon eine Ahnung, was dir wichtig ist. Vielleicht hast du sogar bereits den Werte-Finder von mir gemacht und weißt, welche drei, vier Werte dich wirklich tragen.
Aber was machst du jetzt damit?
Das ist die Frage, bei der die meisten alleine steckenbleiben. Werte kennen ist eine Sache. Werte als echten Kompass für Entscheidungen zu nutzen, die sich gerade alles andere als leicht anfühlen, ist eine andere.
Wenn Freiheit einer deiner Kernwerte ist, erklärt das vielleicht, warum dich der sichere Angestelltenjob innerlich nicht mehr trägt, auch wenn er auf dem Papier gut aussieht. Wenn Wirksamkeit zentral ist, reicht es dir nicht, irgendwie zu arbeiten. Du willst spüren, dass es einen Unterschied macht.
Und wenn dein Traumjob wegbricht, merkst du oft erst in diesem Moment: Es war nicht dieser eine Job, den du gesucht hast. Sondern das Gefühl, das er dir gegeben hat. Das Gefühl, du selbst zu sein und etwas zu tun, das wirklich zu dir passt.
Dieses Gefühl ist nicht an einen Jobtitel gebunden. Es ist an deine Werte gebunden. Und die gehören dir – die können nicht gestrichen werden
Nächste Schritte: Von Werten zu Entscheidungen
Wenn du weißt, was dir wichtig ist, aber noch nicht weißt, wie du das in deinen nächsten beruflichen Schritt übersetzt, gibt es zwei Wege:
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